Dienstag, 13. Juli 2010

Hauskauf: Die Finanzierung (Teil 1.2)

Es ist immer noch Juni 2009 und ich versuche herauszufinden, ob wir eine Finanzierung für einen Resthof bekommen können. Internet- und vor Ort-Finanzierungsvermittler waren nicht so toll, also probiere ich es nun bei den zwei Regionalbanken - und zwar zunächst einmal bei der roten.

Das Gespräch dort gestaltet sich eigentlich ganz gut und ich erfahre interessante Dinge, die sicher auch nicht jedem Leser geläufig sind:
Erstens kann man sich einen Grundstückswert auch ohne Gutachter recht gut ermitteln, da die Landkreise - und so auch Stormarn - die so genannten "Bodenrichtwerte", die durchschnittlichen Preise von Bauland, kostenlos veröffentlichen.
Zweitens ist ein gewöhnliches Haus für eine Bank auf eine Gebrauchsdauer von 100 Jahren ausgelegt und ein Haus von 1903 somit im Allgemeinen nichts wert (Haha!). Da gäbe es natürlich Ausnahmen, z.B. Altbauten in Innenstädten, aber das würde "der Computer" genau ermitteln.

Das Gespräch war eigentlich ganz gut, daher mache ich mir doch einige Hoffnungen. Umso enttäuschender der Anruf am nächsten Tag: Das Haus hätte keinen Wert (für den Computer). Es könne zwar das Grundstück selbst belastet werden, allerdings würden nur 800qm zählen, dies sei die "übliche Grundstücksgröße". Es ergibt sich somit ein Betrag, der nur etwa 2/3 der von uns benötigten Finanzierungssumme entspricht - für uns nicht möglich.

Nach so niederschlagenden Ergebnissen rief ich den Verkäufer an, um ihm mitzuteilen, dass wir zwar sehr interessiert sind, aber die Banken eher unwillig, und erzählte auch von den nur 800 akzeptierten Quadratmetern. Trommelwirbel, plötzlich kommt er damit heraus, dass es eine Genehmigung gäbe, den Hof abzureißen und stattdessen zwei Doppelhäuser und ein Einzelhaus zu bauen - jedes mit jeweils 500qm Grundstücksfläche.
Na, danke, wie wäre es denn, sowas mal gleich zu sagen! Dürfte für die Wertbestimmung des Grundstücks ja nicht unerheblich sein...
Mit diesen neuen Informationen bewaffnet, rufe ich den roten Berater an - und erlebe das wohl bizarrste Telefongespräch der letzten Jahre. Mehr, als dass ich neue Informationen hätte, durfte ich nicht sagen, bevor ich zusammengefaltet wurde, dass das ja völlig egal sei, schließlich wollen wir den Hof ja nicht abreißen, und überhaupt dass das ganze Vorhaben, so ein Haus zu kaufen, ja wohl total daneben sei und uns komplett überfordern würde. Danach war ich ziemlich perplex. Einen solchen Unterschied von dem Gespräch vor Ort zu diesem hatte ich noch nie erlebt. Das war die totale Entgleisung. Die roten waren damit wohl abzuschreiben.

Ich hatte es ziemlich leid. Dazu kam, dass ich ja durchaus auch selbst weiß, dass wir nicht wirklich wissen, ob das Haus nicht doch zu groß ist. Ich wüsste zwar nicht, was der Wirtschaftsteil für große Kosten verursachen soll, aber es ist ja eben schon wörtlich genau so: Ich weiß es eben nicht. Wir hatten versucht, den Gutachter beim Termin vor Ort dahingehend auszufragen, aber dazu drückte auch er sich nicht wirklich klar aus.
Ich habe mal ein Bild erstellt, dass die Dimensionen des Lüthjenhofs etwas klarer werden lässt:


Allein der Kuhstall ist etwa 130qm groß, die Tenne 90qm. Das Gesamtgebäude deckt 500qm Boden ab, der Giebel ist mehr als 10 Meter hoch.

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also wollte ich die blaue Regionalbank - immerhin mit klassischer Nähe zur Landwirtschaft - nicht auslassen. Auch hier wurde also ein Termin vereinbart, und diesmal konnte ich auch mit meinen neuen Informationen aufwarten.
Und dann die Überraschung: der Berater meinte, er fände das ganze ja sehr interessant und könne sich gut vorstellen, das zu finanzieren. Er bräuchte aber auf jeden Fall einen Grundbuchauszug und könne dann mehr sagen.
Mit so einer Aussage hatte ich ja jetzt kaum noch gerechnet. Das klang ja gar nicht schlecht. Also rief ich den Verkäufer an, sagte ihm, es ginge vielleicht doch etwas, aber wir bräuchten das Grundbuch. Eine Formalie.

Eine Formalie? Aber nicht doch, es geht hier schließlich um unser Riesenprojekt! Was es da alles für Probleme geben kann, einen sauberen Grundbuchauszug zu bekommen, erfahrt ihr demnächst an dieser Stelle.

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